So finden Sie eine neue berufliche Aufgabe: Ein praktischer Leitfaden

 

„Ich bin Allrounder und könnte ja alles Mögliche machen, wenn ich nur wüsste was.“

 

So ist der Tenor vieler breit aufgestellter Manager und Führungskräfte, wenn Sie irgendwann - oft zwischen 40 und 50 - an einen Punkt kommen, an dem der aktuelle Karrierepfad sich nicht mehr richtig anfühlt und eine Reparatur auch wenig attraktiv und erfolgversprechend scheint.

 

Die große Frage lautet: Was nun? Berufliche Neuorientierung und das am besten mit einer Perspektive für die nächsten 10-20 Jahre.

1. Akzeptieren, dass es jetzt so ist

Erlauben Sie sich, dass diese Frage momentan im Raum steht und versuchen Sie sich mit ihr anzufreunden. Die Frage lässt sich dann viel leichter lösen und Sie werden weniger Energie für Widerstand verpulvern. Die Frage lässt sich zur einen Hälfte mit Logik, Analyse und Rückblick beantworten, zur anderen Hälfte mit Recherche, Intuition, Fantasie und Feedback. Es gibt leider keine Formel oder Künstliche Intelligenz die Ihnen Ihr neues Ziel einfach ausdrucken könnte.

 

2. Ein ausgewogener Rückblick auf Ihren beruflichen Werdegang

Ein wohlwollender, analytischer Blick auf Ihre berufliche Vergangenheit ist wichtig, damit Sie idealerweise nicht bei Null anfangen, sondern wichtige Erfolge, Kenntnisse, Kontakte, Kompetenzen etc. in Ihre neue berufliche Rolle migrieren.

Je mehr das gelingt, desto schneller, leichter und risikoärmer wird das für Sie ablaufen.

 

Sammeln und clustern Sie Ihre beruflichen Schätze, z.B. in Form einer Tabelle, Mindmap oder bildlich, wie es Ihnen am ehesten liegt.

 

Erfolge

 

Ihre 5-10 für Sie wichtigsten Erfolgsprojekte

 

Kenntnisse

 

Produkt

Markt

Unternehmen

Prozesse

IT

Kompetenzen

 

Führung

Kommunikation

Durchsetzung

Virtuelle Teams

Remote

Kontakte

 

Intern/Extern

Alphabetisch sortiert

 

Weiteres

 

Ausland

Zertifikate

Awards


 

Sammeln Sie anschließend auch, was Ihnen schwer fällt, wo Sie Schwächen oder öfter Kritik feststellen und was Sie auf keinen Fall mehr machen möchten.

 

3. Klären Sie Ihre Motive, Werte und noch wichtiger: Ihre Talente

Oft verschieben Sich in der gefühlten Lebensmitte die Werte und die Notwendigkeiten. Auch statistisch steigt ab 46 Jahren die Zufriedenheit wieder an. Manchmal merken Menschen aber auch, dass sie wesentliche Werte nicht adäquat beachtet haben. Das müssen und können Sie ändern, Schritt für Schritt.

 

Häufig kommt es vor, dass aus dem Rückblick (s. Punkt 2) noch keine neue berufliche Rolle ersichtlich wird. In diesem Fall klären Sie am besten Ihre wichtigsten Talente bzw. besonderen Eigenschaften, z.B. mit dem Strengthfinder 2.0 von Tom Rath oder einem anderen seriösen Stärkentest. Finden Sie Aufgaben, die Ihren Talenten entsprechen und Sie werden ein hohes Maß an Rückenwind und Zufriedenheit erleben.

 

>> Mehr dazu im Artikel "Welches besondere Talent schlummert in mir?"

 

4. Finden Sie Keywords, die für Sie denkbare neue Aufgaben und Rollen beschreiben

Aus dem gesammelten Material (s.o.) verdichten und priorisieren Sie dann Kernelemente in Aufgabenform, die Sie als Keywords für die Recherche im Markt verwenden. Theoretisch und konzeptionell ist die Sache recht klar zu definieren. An der Schnittstelle von Ihrem Können und Wollen und dem was Ihr subjektiver Arbeitsmarkt erlaubt, findet sich Ihr magischer Ziel-Ort. Dieser muss nun praktisch beschrieben und gefunden werden.

 

>> Mehr Informationen dazu im kostenlosen Starterpack

 

5. Sondierung im Arbeitsmarkt

In großen Stellenportalen wie z.B. Indeed, Ceasar, Kimeta oder einer der anderen über 1000 weiteren Jobbörsen suchen Sie nun nach Beispielen von Jobs und Rollen, die zu Ihren Keywords und Vorstellungen passen. Das erfordert (leider) Geduld, Sorgfalt, Offenheit und eine gewisse Systematik. Dabei lernen Sie jedoch auch viel über den aktuellen Arbeitsmarkt, die Anforderungen und Ausprägungen und werden sich idealerweise immer klarer darüber, was den Abgleich zwischen Wunsch und Angebot betrifft. Sammeln Sie jede Woche mindestens 3 denkbare Stellen, die auf Ihre Liste kommen. In Word kopieren ist eine gute Idee, denn oft verschwinden die Jobangebote schnell.

 

>> Mehr Tipps zum effektiven Umgang mit Online Stellenbörsen

 

6. Prüfen und Informationen sammeln

Prüfen Sie, inwiefern Sie die Anforderungen beherrschen und wie Sie ggf. Lücken ausgleichen können. Führen Sie auch informelle Gespräche mit Menschen, die zu dem Feld etwas sagen können, um Ihr Wissen zu vertiefen und Insider-Informationen über diese Arbeit und die Rahmenbedingungen zu erhalten. Gerade bei weichen Berufstiteln wie Projektleiter, Manager, Berater, Referent und ähnlichen ist die Bandbreite riesig, sodass man mindestens 1-2 Ebenen tiefer gehen muss.

 

Beachten sie Ihre berufliche DNA und Herkunft, die sich in drei Kernfeldern definiert:

 

  • Frühere Rollen, insbesondere die der letzten 5-10 Jahre (z.B. Head of Sales and Marketing)
  • Branchenzugehörigkeit (z.B. IT Software und Services, ...)
  • Unternehmenstyp und Größe (z.B. Konzern, US-Typ,...)

 

Bewegen Sie sich von dieser Home-Base schrittweise nach außen um eine möglichst naheliegende neue Aufgabe zu finden. Fragen Sie aktiv nach Feedback, was andere an Ihnen schätzen und wo man Sie besonders sieht.

 

7. Auswählen und Testen

Suchen Sie formell (Bewerbung) und informell (kontaktbasiert) nach Gesprächen zur Erörterung und weiteren Vertiefung Ihrer neuen Ausrichtung. Hier können Sie ganz pragmatisch vorgehen und werden merken, wenn es für Sie „passt“. Fragen Sie ggf. aktiv nach Schnuppertagen, Betriebsbegehungen oder auch weiteren Kontakten im Unternehmen, um einen noch besseren Eindruck zu bekommen.

 

8. Neustart

Natürlich kommt alles immer ein wenig anders als gedacht und die Wiese ist nicht immer grün. Wenn Sie sich aber wie beschrieben vorbereiten, sind die Voraussetzungen sehr günstig, dass Sie Ihrer idealen Aufgabe sehr nahekommen. Und einige Dinge können Sie ja dann auch noch ‘on-the-go’ in Ihrem Sinne beeinflussen. Auch in dieser Phase unterstützen wir Sie gerne.

 

Alles Gute!